

Der reichste, über mehr als 12 000 Arten verfügende und diese im Rahmen einer schönen Landschaftsform demonstrierende botanische Garten Ungarns wurde in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts im Stil der klassizistischen Englischen Garten angelegt. Der Garten ist im 1870 in den Besitz des grossen Freundes der Wissenschaften, des Grafen Sándor Vigyázó gelangt, der ihn durch den damals namhaften Gartenbaufachmann Vilmos Jámbor zu einem reichen botanischen Garten gestalten liess. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war der Garten durch den Reichtum seiner Baumarten, Steingarten und Warmhauser weitberühmt. Die Vigyázó-Familie vermachte ihr Vermögen der Akademie der Wissenschaften, Jedoch gelangte der Garten von Vacrátót nach vielen Prüfungen erst im Mai 1946 zuerst in die Verwaltung des Naturwissenschaftlichen Museums und 1950 begann man die Grundlagen des botanischen Gartens niederzulegen. Im Jahre 1952, als die Institution von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften übernommen wurde und hier das Botanische Forschungsinstitut entstanden ist, hat der Garten eine rasche Entwicklung genommen. Nach der Behebung der Kriegsschaden und Wegraumung der Ruinen und des Gesträuches ging man heran die ursprüngliche Schönheit des Gartens auf Grund der Originalplane wiederherzustellen, jedoch mit viel grösserem Artenreichtum. Im 1961 eröffnete der Garten für das Publikum seine Pforten und von dieser Zeit an bildet er den organischen Teil des Botanischen Forschungsinstitutes, das lebende Laboratorium und Versuchsfeld für die Forschungen.
Die Klima- und Bodenverhaltnisse des Botanischen Gartens sind ziemlich ungünstig. Die Jahresmenge des Niederschlages erreicht nicht die 500 mm und das Klima ist gleichzeitig – wie es für die Randgebiete der Grossen Ungarischen Tiefebene charakteristisch ist – recht extrem. Es kommt sehr häufig zur lang anhaltenden Trockenheit im Sommer, die maximale Temperatur erreicht in extremen Fallen 40 °C. während im Winter das Minimum auch unter -30 °C sinken kann. Die Schneedecke ist nur dünn, es kommt sehr oft zu frühen und späten Frösten und in den tiefer gelegenen Teilen des Gartens zur Nebelbildung. Der Boden des Gartens ist kalkiger Flugsand, gebundener Sand un Lehm.
In der näheren Umgebung unseres Botanischen Gartens widerspiegelt die natürliche Pflanzenwelt gut diese extremen Verhältnisse, da ja der Wind auf der am Ende des Gartens beginnenden Sandsteppe schon das Steppengras flattern lässt und die nahen Hügel sind von für die trockenen Lösshügeln typischen Eichenwäldern bedeckt. Nur die Auwälder entlang der Bäche und die hie und da noch vorhandenen Moore zeigen einen frischeren Farbfleck. Ihre Überreste sind auch an den Gartenteichen und am Bach von den riesengrossen Exemplaren der ungarischen Esche (Fraxinus angustifolia ssp. pannonica) und der Stieleiche (Quercus robur) vertreten. Die Baumvegetation des Gartens beherbergt auch eine reiche Tierwelt. Hier nisten 53 Vogelarten.
Die extremen Faktoren schliessen von vornherein die Anzucht zahlreicher, aus botanischen Garten mit günstigerem Klima bekannter Pflanzen (z.b. Rhododendron, Azaleen) aus und der Pflanzenbestand des Gartens lässt sich nur mit regelmässiger, sorgfältiger Bewässerung aufrechterhallen. Gleichzeitig kann der Besucher hier fast tausend charakteristischen Arten der ungarischen Flora, den interresanten Pflanzen der russischen Steppen, der innerasiatischen Berggebiete oder der amerikanischen Rocky Mountains begegnen, um die Bäume und Sträucher des Fernen Ostens gar nicht zu erwähnen.
In der Anlegung des gegenwärtigen Pflanzenbestandes des Gartens hat Dr. Miklós Ujvárosi, der erste Leiter des Gartens sich unvergängliche Verdienste geholt. Mit seinem Namen ist auch die Errichtung der Kollektionen im Warmhaus und die Vorführung des damals für das modernste geltenden entwicklungsgeschichtlichen Pflanzensystems von Professor Soó verbunden. Auch die dendrologische Sammlung hat mit ihren 2800 verschiedenen Bäum- und Straucharten sowie die Steingartensammlung mit 2700 Arten stark zugenommen. Der 29 Hektar grosse Garten erwartet mit seinem Rasen, seinen Bäumen, Teichen, interresanten und schönen Pflanzen all diejenigen, die sich aus den Zivilisationsschäden der Grossstädte zu erholen wünschen, ferner die sich dafür interessierenden Touristen wissbegierigen Studenten in etwa 35 km Entfernung von der Haupstadt. Damit auch die den Garten besuchenden Ausländer unser Büchlein mit Nutzen lesen können, möchten wir ihre Aufmerksamkeit auf folgendes lenken:
Der Botanische Garten von Vácrátót kann auf der Verkehrsstrasse, mit dem Auto aus Budapest am kürzesten über die Ortschaften Fót – Csomád – Õrbottyán, von Norden her über Vác und Csörög und von Osten – von der Autobahn M3 abschweifend – über Gödöllõ und Veresegyház erreicht werden. Direkt Autobus von der Station Városkapu des Metro 3 in Budapest-Újpest. Öffnungszeiten: 1. Mai - 30. September zwischen 8- 18 Uhr, l. October - 30. April 8- 16 Uhr. Glashauser sind am Montag geschlossen.
Eintrittskarten sind beim Haupteingang zu lösen, wo auch Ansichtskarten, Prospekte gekauft werden können, während sich gegenüber dem Schalter eine Verkaufsstelle von Zierpflanzen befinden. Ausserhalb des Gartens erwarten die Gäste eine Garküche sowie ein während der Öffnungszeit ständig in Betrieb gehaltenes Gasthaus.
Da der Botanische Garten zugleich ein Naturschutzgebiet ist, sind seine Pflanzen und Tiere wissenschaftliche Werte, auch die hier wild vorkommenden Arten mit Inbegriffen. Es ist verboten im Garten Pflanzen oder Tiere zu sammeln oder ihnen Schaden zuzufügen, ferner die Anlagen zu beschädigen; zum Anbringen des Mülls sind neben den Bänken Müllbehälter. Bei der Aufrechterhaltung der Ordnung des Botanischen Gartens rechnen wir weitgehendst auf das Wohlwollen und die freundliche Unterstützung unserer verehrten Besucher.
Zoltán Kereszty:
"Bertrachtet die Lilien des Feldes..."
Biblische Pflanzen im Licht des Glaubens und der Wissenschaft2400.-HUF. (kereszty@botanika.botanika.hu)
Forschunginstitut für Ökologie und Botanik der Ungarischen Akademie der Wissenschaften
Das Institut wurde im 1952 gegründet. Ihr Sitz wurde Vácrátót, mit Rücksicht darauf, dass die Familie Vigyázó den dortigen Schlosspark der Ungarischen Akademie der Wissenschaften vermacht hat. 1977 wurde die Ungarische Donauforschungsstation zu Göd (gegründet im Jahre 1957) als Abteilung dem Institut angeschlossen.
Fachbereich des Institutes:
Pflege der grundlegenden und angewandten Forschung auf einzelnen Gebieten der Ökologie und botanik auf internationalem Niveau.
– Erschliessung, Betreuung, Entwicklung und Verbreitung der auf die Lebe weit Ungarns bezogenen Kenntnisse im Rahmen der obigen Gebiete als Teil der nationalen Wissenschaft.
– Erhaltung und Weiterentwicklung des vom Grafen Sándo Vigyázó der UAW vermachten Botanischen Gartens auf dem Gebiete des ehemaligen Schlossparks als einer Sammlung des nationalen Vermögens.
– Teilnahme an der höcheren Ausbildung von Fachleuten, der wissenschaftlichen Fortbildung und der Formung des nationalen Bewusstseins.
Themengruppen der wichtigsten Forschungen
1. Erforschung der Organisation und Dynamik von kontinentalen Pflanzengesellschaften (Wiesen, Weiden, Wälder) und Pflanzenpopulationen. Untersuchung der Gründe, Verlauf und des Mechanismus der Degradation von Trockenwiesen und weiden zwecks Ausarbeitung der Wiederherstellungsmöglichkeiten.
– Untersuchung der natürlichen Entstehung der Pfanzendecke auf Schutthalden zwecks Förderung der Rekultivierung auf naturliche Weise.
– Grundlegung und Entwicklung von botanischen und ökologischen Datenbasen zwecks Bewahrung der Diversität der natürlichen Lebensgemeinschaften.
2. Erforschung der Hydrobiologie von Fliessgewsässer und stehenden Gewässer. Untersuchung der langfristigen Veränderungen des hydrobiologischen Zustandes und der Biodiversität der verschiedenen Donauabschnitte mit besonderem Hinblick auf die Trinkwassersorgung der Haupsladt Budapest.
– Umfassende limnologische Erschliessung der eigenartigen Wassergebiele des Fertõ (Neusiedler See) zwecks Begründung der Schutzstrategie im Rahmen des Fertõ Nationalparkes.
3. Konservationsbiologische Grundlegung des Naturschutzes. Erschliessung- der taxonomischen Variabilität, des Kompetitions- und Reproducktionvermögens gefährdeter und geschützter Pflanzenarten.
– Ausarbeitung von Strategien zur künstlichen Vermehrung, Erhaltung und Beschützung von geschützten Arten.
4. Erschliessung und Verwertung von neuen pflanzlichen Energiequellen. Untersuchung der Wirkstofferzeugung von in Ungarn heimischen oder akklimalisierbaren Pflanzen zu therepeutischen Zwekken, ökologische Geregeltheit der Wirkslofferzeugung.
– Akklimatisierung von potentiellen neuen Wirtschaftspflanzen zwecks Förderung der Diversität von Kulturpflanzen, mit besonderem Hinblick auf den Einfluss der voraussichtlichen Klimaveränderungen und Ansprüche der Privatwirstschaft.
5. Die Erhaltung und Entwicklung der Sammlungen des Botanischeil Gartens bildet eine besondere wissenschaftliche Aufgabe des Institutes.
Die Forschungsarbeit wird durch im In- und Ausland gewonnene Projektbewerbe unterstütz. Unsere wissenschaftliche Tätigkeit ist eng mit den Weltprogrammen der UNESCO und auch weiteren internationalen wissenschaftlichen Organisationen (ICSU, IUBS) verbunden, Die Ergebnisse unserer Tätigkeit sind bischer in etwa 1300 wissenschaftliche Veröffentlichungen, Bücher und Buchabschnitte erschienen.
Organisation des Institutes
Ökologische Zentrum,
Abteilung für Pflanzenökologie,
Ungarische Donauforschungs Station als selbstständige Abteilung,
Botanischer Garten Abteilung,
Wirtschaftsabteilung.
Adresse:
Institute of Ecology and Botany of the Hungarian Academy of Sciences
2-4 Alkotmány Street, Vácrátót, H - 2163. HUNGARY - Tel: 28-360 122; Fax: 28 - 360 110
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